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Agfa Box
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Die Agfa Box ist eine Serie von Boxkameras, meist im Negativformat 6Ă9 cm. Sie wurde zwischen 1930 und 1957 (bzw. 1965, wenn man die Clack dazuzählt) vom Agfa Camerawerk MĂźnchen in verschiedenen Varianten produziert.
Contents
⢠Vorkriegszeit
⢠England-Box
⢠Schulprämie
⢠Preisbox
⢠Isochrom-Box
⢠Pappfamilie
⢠Trolix-Box
⢠Box 45
⢠Nach 1945
⢠Box 50
⢠Synchro-Box
⢠Clack
⢠Agfa Box heute
⢠Modelle
⢠Vor dem Krieg
⢠Nach 1945
⢠Einzelnachweise
⢠Literatur
⢠Weblinks
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Vorkriegszeit
Die erste Agfa-Box
Im September 1930 kam folgende AnkĂźndigung heraus: âDie Agfa I. G. Farbenindustrie A. G., bringt neuerdings eine Kleinkamera im Kastenformat fĂźr das Format 6 Ă 9 in den Handel, die zum niedrigen Preise von 13 RM angeboten wird âŚâ Im weiteren Verlauf war von einem lichtstarken Objektiv (dabei handelte es sich allerdings um eine Ăbertreibung), einem widerstandsfähigen Aluminium-Gehäuse und gefederter Filmandruckplatte die Rede. Von dieser Box gab es sogar eine SpezialausfĂźhrung, die man am silberfarbenen Zierrahmen auf der Frontplatte erkennen konnte und fĂźr nicht einmal 2 RM Aufpreis eine erheblich bessere Ausstattung bot: Musste sich das Standardmodell mit einem einfachen Rotationsverschluss ohne AuslĂśserrĂźckstellung und Mattscheibensucher begnĂźgen, gab es beim Luxusmodell einen Zweilamellenverschluss und Brillantsucher, zudem ein lichtstärkeres Objektiv und eine Entfernungseinstellung. Letztere bestand aus einem dreistufigen Hebel mit den Positionen Fern (ab 5 m), Gruppe (2,5 m bis 5 m) und Porträt (1,5 m bis 2,5 m), auf diesen Aufwand verzichteten alle Nachfolger. Schon im Weihnachtsgeschäft verkaufte sich der neue Apparat ausgezeichnet, beide Modelle brachten es noch 1930 auf eine StĂźckzahl von 44.000. (Technische Einzelheiten zu Verschluss und Sucher siehe Box-Kamera)
England-Box
Werbeaktion
Der ersten in Deutschland vorgestellten Agfa-Box ging ein groĂ angelegter Test auf dem englischen Markt voraus. Dort verteilte die Zeitung Daily Herald eine groĂe Menge von Kameras, dem weitere Tageszeitungen und auch Zigarettenfabrikanten folgten. Die Fotohändler gaben sich Ăźber die Aktion zunächst verärgert, erfreuten sich aber kurz darauf am gigantischen Filmverkauf: die passenden Rollfilme waren sehr schnell vergriffen.
Modelle
Bei den verschenkten Apparaten handelte es sich um die ältesten Agfa-Boxen. Vertragsfirmen stellten sie in England her. FĂźr ein Werbegeschenk kam kein teures Aluminium infrage, die Gehäuse bestanden vielmehr aus Stahlblech. Weitere Merkmale waren die beiden recht kleinen Sucher, sie lagen beide an derselben Gehäusekante, und das fehlende Stativgewinde â SparmaĂnahmen, die später die deutschen Aktionen Ăźbernahmen. Es kamen drei AusfĂźhrungen in Umlauf: Die England-Box 1 hatte schwarzen Schrumpflack und als Version 1a Mattscheibensucher, als Version 1b bereits Brillantsucher. Die Box 2, ebenfalls mit Brillantsucher ausgestattet, trug genarbtes Kunstleder.
Schulprämie
Vorgeschichte
Agfa beschäftigte mit dem Studienrat Richard Lange schon seit Mitte der 1920er Jahre einen âKulturbeauftragten fĂźr die Schularbeitâ und hatte dadurch exzellente Verbindungen zum preuĂischen Ministerium fĂźr Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Lange verfasste Artikel und hielt zahlreiche Vorträge Ăźber die pädagogischen Aspekte der Fotografie. U. a. diese Aktivitäten trugen dazu bei, dass das Ministerium 1928 einen Erlass Ăźber die Einrichtung von âLichtbilder-Arbeitsgemeinschaften fĂźr SchĂźler und SchĂźlerinnenâ verĂśffentlichte.cite-ref-1[1] Es handelte sich um eine Empfehlung fĂźr Lehrer an hĂśheren Schulen, die Fotografie im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften in den Unterricht einzubeziehen. Die Kulturabteilung von AGFA verĂśffentlichte begleitend zu diesem Erlass 1929 einen âLeitfaden fĂźr den photographischen Unterricht in Schulen.cite-ref-2[2] Neben einleitenden pädagogischen Ăberlegungen und einem ausfĂźhrlichen fototechnischen Teil enthält die BroschĂźre einen âStoffplan fĂźr die photographische Unterweisungâ. Der Erlass Ăźber die Einrichtung von Lichtbilder-Arbeitsgemeinschaftenâ wurde im Mai 1930 durch einen âHeimatphotographie-Erlassâ ergänzt. Dieser Erlass mit dem Titel âPraktische Betätigung der SchĂźler und SchĂźlerinnen auf dem Gebiete der Photographieâ geht davon aus, dass es sich âzunächst darum handeln [wird], das wertvolle Heimatgut, das die Natur darbietet, in Form von technisch einwandfreien und ästhetisch befriedigenden Aufnahmen zu bergen.âcite-ref-3[3] Die Aufnahmen sollten der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden, u. a. im Rahmen einer fĂźr 1931 in Berlin geplanten Naturschutzausstellung. Zur Verbreitung der Fotografie in Schulen bzw. unter SchĂźlern und SchĂźlerinnen finden sich in der erwähnten BroschĂźre der AGFA Kulturabteilung folgenden Angaben. Danach gab es im Herbst 1928 an 592 deutschen Berufsschulen 19073 photographierende SchĂźler und SchĂźlerinnen. Nach Umfragen unter rund 1600 hĂśheren Lehranstalten bestanden im selben Zeitraum an 350 dieser Schulen Lichtbildarbeitsgemeinschaften.cite-ref-4[4]
Aktion
Im Januar kĂźndigte Agfa an, Apparate zu verschenken: âDie Kamera wird zweckmäĂig solchen SchĂźlern und SchĂźlerinnen zu Ăźberreichen sein, die sich auf irgendeinem Gebiet hervorgetan haben.â Gemeinsam mit dem preuĂischen Kulturministerium beschloss man, je eine Kamera abzugeben an die 10- bis 14-jährigen Klassenbesten, die zwei besten der letzten Jahrgänge der Mittelschule und den letzten Jahrgang der Volksschule. Da sich die meisten anderen deutschen Länder der Aktion anschlossen, kam eine Zahl von rund 50.000 Kameras zustande. Sie gelangten im Februar 1932 mit den Zeugnissen in die SchĂźlerhände. Die Aktion stieĂ auf Begeisterung, das Fachmagazin Photo-Woche schrieb darĂźber: âEs wird ein Lobgesang auf die Kulturfreudigkeit der Agfa angestimmt werden.â Und es stellte sich heraus, dass den SchĂźlern ausgezeichnete Aufnahmen gelangen.
Kamera
Bei der Schulprämie handelte sich um eine besonders einfach gehaltene Box, an der zahlreiche SparmaĂnahmen die Herstellungskosten senkten. Insbesondere besaĂ sie kein Blech-, sondern nur ein Pappgehäuse, wie man es bereits von Kodak kannte. Des Weiteren waren nur diese Pappteile (blau) beledert, Front- und RĂźckwand hingegen bildeten dunkelblau lackierte Bleche. Als Verschluss kam natĂźrlich nur die einfache Variante ohne AuslĂśserrĂźckstellung infrage, ein Stativgewinde gab es nicht und die kleinen Sucher lagen an einer Kante, also jener fĂźr das Hochformat. Im Handgriff war der Schriftzug âSchulprämieâ eingeprägt.
Preisbox
Vorgeschichte
Die Werbeaktionen in England gerieten zwar zu einem groĂen Erfolg, konnten aber dennoch nicht fĂźr den deutschen Markt Ăźbernommen werden. Hier achtete jeder Händler darauf, dass branchenfremde Geschäfte seine Produkte nicht anboten. Als beispielsweise die Fotohändler Bildbände und Fotoliteratur in ihr Sortiment aufnahmen, veranstaltete der Reichsverband der Buchhändler einen gewaltigen Aufschrei. Der Agfa-Direktor Bruno Uhl setzte unter diesen Umständen eine vollkommen neue Kampagne gegen alle Widerstände durch. Hierzu fĂźhrte er autorisierte Händler ein, die eine Agfa-Strahlkrone Ăźber ihrem Eingang mit der Aufschrift âautorisierter Agfa-Verkaufâ anbringen durften.
Aktion
Ab dem 9. Juni 1932 lief jeweils um die Mittagszeit eine Radiowerbung mit der Frage: Kennen Sie die deutschen MarkstĂźcke? Brachte man MarkstĂźcke mit den Prägungen A â G â F â A zum autorisierten Agfa-Händler, so gab es dafĂźr die Box des Typs 44. Bei den Buchstaben handelt es sich um einen Code fĂźr die Prägestelle, A steht fĂźr Berlin, G fĂźr Karlsruhe und F fĂźr Stuttgart. Zu dieser Zeit kostete die billigste Kamera, die Balda Poka 0, immerhin 10 RM, so dass 4 RM ausgesprochen gĂźnstig erschien; der Händlergewinn lag bei 40 Pfennig. Agfa bevorratete seine Händler mit 100.000 Kameras, die Aktion geriet aber zu einem derart gigantischen Erfolg, dass die Kameras bereits nach zwei Tagen ausverkauft waren. Agfa konnte schlieĂlich nur noch zusichern, allen Kunden irgendwann eine Kamera abzugeben, die bis zum 15. September die MarkstĂźcke bei ihrem Händler abgegeben hatten. Mitte Oktober gingen dann die letzten Kameras Ăźber die Ladentheke, insgesamt waren es rund 900.000.
Balda konnte bei der Aktion nicht tatenlos zusehen und kopierte die Agfa-Kampagne. Allerdings konnte man nicht den Prägestellen-Code verwenden, es stand weder ein B, noch ein L zur Verfßgung, so dass man einfach vier Markstßcke aus dem Prägejahrgang 1932 verlangte. Dafßr gab es eine kaum veränderte Poka 0, also ein Apparat mit Blechgehäuse, der gegenßber der Preisbox als besserer Kauf erschien. Die Balda-Aktivitäten ßberraschten sehr, stellte dieses Unternehmen doch keine Filme her, die das Kameraprogramm subventionieren konnten. Die Balda ging insbesondere bei nichtautorisierten Agfa-Händlern ßber den Ladentisch, dabei handelte es sich typischerweise um Optiker und Drogisten, die nebenher Fotogeräte verkauften.
Balda setzte seine Werbeaktion im Oktober 1932 in Ăsterreich fort, woraufhin sich Agfa gezwungen sah, im November mit der Preisbox nachzuziehen. Beide Unternehmen hatten damit aber keinen Erfolg â Boxkameras waren eben mehr etwas fĂźr das Sommerhalbjahr. FĂźr die Agfa musste man einen 10-Schilling-Schein zum Händler bringen, dessen Kontrollnummer zwei Vieren enthielt, passend zur Fabrikbezeichnung Box 44.
Kamera
Die Box 44 besaĂ entsprechend der Schulprämie ein Pappgehäuse, sie war aber gewĂśhnlich schwarz und wies belederte Blechdeckel auf. AusfĂźhrungen in blau oder schwarz mit lackierten Deckeln gab es ebenfalls, aber selten. Der Handgriff trug entsprechend der Schulprämie ebenfalls eine Prägung, die Agfa-Raute mit dem Schriftzug âAgfaâ seltener war die Prägung âAgfa-Boxâ. DarĂźber hinaus sind mindestens zwei Varianten bekannt: eine ohne AuslĂśsersperre, offenbar das ältere Modell, auch erkennbar an der oberen Y-Metallclip-SchlieĂe des hinteren Gehäusedeckels und die Version mit AuslĂśsersperre, wobei der Clip fĂźr den hinteren Gehäusedeckel rechteckig ist.
FĂźr die Preisbox erschien einiges ZubehĂśr, sowohl von Agfa selbst, wie auch von Fremdfirmen â darunter auch Balda. Dazu gehĂśrte Stativhalter (gab es doch kein Stativgewinde an der Box), Portraitlinse fĂźr den Bereich zwischen 1 m und 2 m, Gelbfilter und SelbstauslĂśser, letzterer war â gemessen an der Kamera â technisch recht aufwendig.
Weitere Werbeaktionen
Die Fotohändler nahmen bis zum 3. Juni 1933 eine Preisbox zum vollen Kaufpreis zurĂźck, wenn der Kunde die 26 RM teure Taschenklappkamera Billy Record kaufte. Die zumeist kaum benutzten Apparate verwendete Agfa fĂźr eine groĂe Werbeaktion im Sommer 1934: An Nord- und Ostsee-Stränden warfen âGlĂźcksfliegerâ mit dem Agfa-Logo bedruckte Bälle ab. Wer einen besonders gekennzeichneten Ball fand, konnte diesen bis zum 31. August 1934 gegen eine Preisbox eintauschen.
An der KĂźste fuhr auch der âIsochrom-Dampferâ. Das Fahrgastschiff steuerte sehenswerte Ziele an, woraufhin Megaphon-Durchsagen den fotografierenden Gästen die geeignete Belichtungseinstellung mitteilten. Dabei kamen auch Box-Besitzer zu guten Bildergebnissen. Die Fahrscheine dazu gab Agfa kostenlos ab.
Isochrom-Box
Zur EinfĂźhrung des Isochrom-Films kam die Isochrom-Box heraus. Den neuen Film durfte man in sämtliche Kameras einlegen, aber Agfa fĂźhrte ihn mit einer gigantischen Werbekampagne ein; so hatte es z. B. 1933 fĂźr den Isochrom-Film als einziges Unternehmen eine Anzeigenwerbung auch auf der RĂźckseite eines broschierten Baedekers (Berlin und Potsdam.Kleine Ausgabe) platziert. Die Isochrom-Box besaĂ eine Aluminium-Front mit silberfarbenen Zierleisten, groĂe Mattscheiben-Sucher (links und rechts, also nicht Ăźber Eck angeordnet), ein Schutzglas vor dem AuslĂśser, Scharniere fĂźr den hinteren Deckel, eine AuslĂśsesperre und eine Raste fĂźr die Umschaltung von Moment- auf Zeitaufnahme. Es gab aber weder Stativgewinde noch AbblendmĂśglichkeit. Diese Box ging aber zumeist in den Export, auf dem deutschen Markt kam ihr Verkaufspreis von 7,50 RM nicht gut an.
Pappfamilie
Eigentlich sollte die Preisbox ein einmaliges Sonderangebot bleiben, hieĂ es doch bei ihrer AnkĂźndigung: âDie Agfa-Preisbox ist eine besonders fĂźr diesen Zweck hergestellte Box-Kamera. ⌠Sie erscheint nicht in der Agfa-Liste und ist regulär als Markenartikel nicht käuflich.â SchlieĂlich erschien ein Pappgehäuse auch dann recht primitiv, wenn Agfa dafĂźr den Begriff âSperrpappeâ verwendete. Aber Balda und Eho boten weiterhin preisgĂźnstige Konkurrenzmodelle an und die teure Isochrom-Box verkaufte sich schlecht, so dass Agfa noch bis Ende 1938 Pappmodelle im Programm hielt:
Bei der so genannten Augenbraue-Box (BOX 84) verliefen die Zierlinien in Form von Augenbrauen ßber den beiden EintrittsÜffnungen der Brillantsucher. Die nachfolgende Box 94 unterschied sich mit einer Front im Art-dÊco-Design. Sie nannte sich nach der deutschen Bezeichnung fßr den Rollfilm vom Typ 120 auch B 2, so konnte man sie von der Cadet A 8 unterscheiden, der einzigen Agfa-Box fßr den kleinen Rollfilm, Typ 127 (entsprechend A 8). Die Ausstattung der beiden Modelle unterschied sich nicht. Auch die Box 04 gehÜrt zu den Pappkonstruktionen, sie lieà sich durch Umlegen zweier Klappen an der Filmbßhne fßr zwei Formate verwenden, entsprechend bestand das Zählwerk aus zwei Sichtfenstern, eins fßr 6 à 9 und ein weiteres fßr 4,5 à 6. Alle Pappkonstruktionen verzichteten auf ein Schutzglas vor dem Verschluss.
Trolix-Box
Die zu den Olympischen Spielen 1936 erschienene Box 14 besaĂ ein Gehäuse aus Trolitan. Dies ist der Handelsname fĂźr den braun-schwarzen Kunststoff Bakelit der Dynamit AG in Troisdorf, ein ebenfalls zur I.G. Farben gehĂśrendes Unternehmen. Mit modellierten Vertikalstreifen kam diese Kamera im â allerdings recht strengen â Art-dĂŠco-Design daher. Die beiden Brillantsucher lagen versenkt, um Spiegelungen zu vermeiden, und es gab einen versenkbaren Metallgriff auf der Oberseite. Das Gehäuse wurde zunächst in einer Form gegossen, dann gehärtet. Der Agfa-Katalog warb mit seiner Widerstandsfähigkeit gegen Wasser, verdĂźnnte Säuren und Laugen, Hitze und Kälte und pries seine gute Haltbarkeit. Tatsächlich zeichnete sich Bakelit durch seine SprĂśdigkeit aus, was diesen Werkstoff fĂźr Kameragehäuse wenig geeignet erscheinen und die groĂe Zeit der Kunststoffgehäuse erst nach dem Krieg beginnen lieĂ, bei Agfa mit der Clack. Auch fĂźhrte es zum hĂśheren Gewicht von 540 g. Die Trolix besaĂ ungeachtet ihres hohen Preises von 9,50 RM ebenfalls nur ein einlinsiges Objektiv, den einfachen Verschluss ohne RĂźckstellung, keinen DrahtauslĂśseranschluss und nur ein Stativgewinde fĂźr Hochformat. Auch konnte man sie fĂźr Langzeitaufnahmen wegen ihres abgerundeten Bodens nicht einfach auf den Tisch stellen. Fortschrittlich hingegen erschienen die vernickelten Drehräder an der Vorderseite, eins fĂźr die Verschlusszeit, das andere fĂźr die kleinere Blende (f/16) und erstmals auch fĂźr ein eingebautes Gelbfilter. Obwohl die Trolix schon zur schwer verkäuflichen Oberklasse gehĂśrte, befand sie sich immerhin vier Jahre, bis weit in die Kriegszeit hinein, in Produktion.
Box 45
1938 beendete eine moderne Stahlblech-Box die Pappära, es handelt sich um die erste Stahlblech-Box seit dem ersten Ganzmetall-Modell von 1930. Sie ersetzte das Modell 94 und gab sich auch gegenĂźber der weiter gebauten Trolix mit dem doppeltwirkenden Verschluss (siehe Boxkamera) wesentlich fortschrittlicher. Seine Federkraft erzeugte eine Stahlsaite, womit er ausgesprochen sanft ablief. Das Objektiv schĂźtzte eine Glasscheibe, die bekannte und 1 RM teure Portraitlinse lieĂ sich fĂźr Nahaufnahmen im Bereich von 1 m bis 2 m wieder aufstecken. In den Strahlengang konnte man einen Gelbfilter und die Blende f/16 einschwenken, was allerdings per Hebel geschah â nicht per Drehrad, wie bei der Trolix. Es gab â entsprechend den erfolgreichen Pappmodellen â eine Zierfront, die Ăźbrigen Seitenteile waren aber mit dem Kunststoff Robusit Ăźberzogen. Dies fĂźhrte zu einem ausgesprochen modernen Aussehen. Im Gehäuse befanden sich zwei Stativgewinde. Diese Kamera konnte Agfa noch bis 1941 produzieren.
Nach 1945
Box 50
Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt man in Fachkreisen die Einfachkameras fĂźr das groĂe Format 6 Ă 9 fĂźr antiquiert, dennoch setzte Agfa weiterhin darauf. Man verkĂźndete dabei: âBewusst hat die Agfa das groĂe klassische Format 6 Ă 9 beibehalten, sie weiĂ, dass der Amateur damit stets das beste Ergebnis erzielen wirdâ. LieĂ sich das Festhalten am Format noch verstehen, so verwunderte zumindest, dass das bedeutende Unternehmen die letzte Vorkriegsbox technisch weitgehend unverändert wieder auflegte. ĂuĂerlich unterschied sie sich nur durch die Frontplatte im neuen Design und den âenglischenâ Stativgewinden (Âźâł statt â
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Synchro-Box
Kamera
1951 verwandelte sich die sonst unveränderte Box 50 dadurch in die Synchro-Box, dass sie Anschlßsse fßr ein Blitzgerät erhielt. Auf der Oberseite gab es hierzu zwei Kontakte, auf die ein spezielles Blitzgerät, der Vacu-Blitz aufgesteckt werden konnte. Dieses Gerät kostete 6,50 DM zzgl. Batterie. Es verwendete Blitzbirnen, die Batterie sorgte dabei fßr die Zßndspannung. Diese reichte aber fßr ein zuverlässiges Blitzen nicht aus, weswegen im Frßhjahr 1955 der Agfa-Box-Blitzer K herauskam. Er arbeitete mit 22,5-V-HÜrgeräte-Batterie und Kondensator, kostete aber mit 9,50 DM plus 3,50 DM fßr die Batterie nahezu so viel wie die Kamera selbst.
Die Blitzbirnchen brachten mit ihrer einfachen Handhabung einen erheblichen Komfortgewinn. Auch konnte man bei nicht mehr ausreichenden, aber vorhandenen Umgebungslicht fotografieren; was mit dem Beutelblitz (siehe Boxkamera) noch nicht funktionierte, da man den Verschluss eine Weile geĂśffnet halten musste.
Werbeaktion
Auch nach dem Krieg bemĂźhte sich Agfa wieder um vielbeachtete Werbeaktionen, wenngleich man die Preisbox-Kampagne nicht mehr Ăźberbieten konnte. Im Sommer 1952 warb man mit dem Slogan: Hast du keine â Box â leihâ dir eine! Die autorisierten Händler konnten auf eigene Kosten die Synchro-Box bestellen und 14 Tage lang fĂźr 1 DM verleihen, natĂźrlich in der Erwartung, dass sie anschlieĂend gekauft wird. Agfa stellte dafĂźr Leihvertrags-Urkunden, Anstecknadeln und farbige Werbeposter zur VerfĂźgung. Der Erfolg fiel unterschiedlich aus und hing ganz vom Engagement des einzelnen Fotohändlers ab. DarĂźber hinaus gab es den Photowettkampf mit der Box, fĂźr den Agfa 5.000 Preise aussetzte und der in Zeitungen und Rundfunk oft Erwähnung fand. Bis zum Einsendeschluss am 30. September 1952 gingen 53.000 Fotos ein.
Clack
Die Agfa Clack wurde gewĂśhnlich als letzte Box angesehen, wenngleich sie mit ihrem Kunststoffgehäuse und dem Durchsichtsucher schon wie eine gewĂśhnliche Kamera erschien. Auch produziert sie in Normalhaltung quer- anstatt hochformatige Bilder. Allerdings verwendete sie ebenfalls ein einlinsiges Objektiv und das Format 6Ă9. Der Name Clack ergab sich aus dem AuslĂśsegeräusch. Zum Filmeinlegen musste das Gehäuse, der âCameramantelâ, wie es in der Anleitung hieĂ, nach unten abgezogen werden. Eine Besonderheit war die gebogene Filmebene, die sich dem Bereich der besten Abbildungsqualität des einfachen Objektivs besonders gut anpasste. Die Linse lag nun vor, anstatt wie bislang hinter der Blende (siehe Boxkamera), so dass sich ein kleiner Tubus vorn an der Kamera befand. An dessen linker Seite befand sich ein Hebel mit drei Stellungen:
⢠f/16, Entfernung ab 3 m
⢠f/11, Entfernung ab 3 m
⢠f/11 Entfernung 1 bis 3 m durch eingeschwenkte Nahlinse
Die späte AusfĂźhrung der Clack enthielt einen eingebauten Gelbfilter anstelle der Blende f/16. Mit einem weiteren Hebel, rechts am Tubus, konnte wie gewohnt von Momentaufnahme mit 1â35 s Belichtungszeit auf Zeitaufnahme umgeschaltet werden, der dazu erforderliche DrahtauslĂśser-Anschluss lag direkt daneben. Oben auf dem Gehäuse befanden sich der gleiche Blitzanschluss, wie von der Synchro-Box bekannt. Agfa bot aber eigens den Clibo-Blitzer fĂźr 9,50 DM an. Ihn konnte man dadurch zusammenklappen, dass man seinen Griff in den Reflektor schwenkte. FĂźr die Clack gab es Bereitschaftstaschen aus braunem Leder sowie â weit häufiger anzutreffen â aus Weichkunststoff in den Farben Hellbraun, DunkelgrĂźn und Rot. Das moderne Gehäuse, beklebt mit schwarzen Lederimitat in einer Narbung, die an Krokodil- oder Schlangenhaut erinnerte, verfehlte seine Wirkung nicht: Obwohl die Clack mit 19,50 DM Verkaufspreis fĂźr einen Apparat mit Meniskuslinse schon ausgesprochen teuer war, Ăźbertraf ihre Verkaufszahl jene sämtlicher anderer Agfa-Boxen. Es folgte die nochmals erfolgreiche Click, die aber nicht mehr zu den Box-Kameras zählte.
Agfa Box heute
Auf dem Photografica-Markt machen die Agfa Nachkriegsmodelle, also Box 50, Synchro-Box und Clack etwa die Hälfte des Angebots an Box-Kameras aus. Die Schulprämie ist ungeachtet ihrer nennenswerten Stßckzahl sehr selten anzutreffen, von der Trolix sind aufgrund des empfindlichen Gehäuses praktisch keine einwandfreien Exemplare mehr zu bekommen. Die Blitzgeräte sind, wie auch bei anderen Kameraherstellern ausgesprochen rar. Sie wurden seinerzeit aufgrund der hohen Preise (auch fßr die erforderlichen Blitzbirnchen) kaum gekauft.
Modelle
Vor dem Krieg
Box 54 und 64 âBox Spezialâ
⢠Erscheinungsjahr: 1930 bzw. 1931
⢠Objektiv: f/12,5; 105 mm bzw. f/11; 105 mm
⢠Gehäuse: beledertes Aluminiumblech
⢠Deckel vorn und hinten: beledertes Aluminiumblech
⢠Verkaufspreis: 13,05 RM / 14,85 RM (später: 14,50 RM / 16,50 RM)
⢠Stßckzahl: ca. 204.000
Box England No. 1 & No. 2
⢠Erscheinungsjahr: 1930
⢠Objektiv: f/11; 105 mm
⢠Gehäuse: belederte Stahlblech
⢠Deckel vorn und hinten: beledertes Stahlblech
⢠Stßckzahl: ca. 250.000
Box âSchulprämieâ
⢠Erscheinungsjahr: 1932
⢠Objektiv: f/11, 105 mm
⢠Gehäuse: belederte Pappe (von Agfa als âSperrpappeâ bezeichnet)
⢠Deckel vorn und hinten: dunkelblau lackiertes Blech
⢠Stßckzahl: ca. 50.000
Box 44 âPreisboxâ
⢠Erscheinungsjahr: 1932
⢠Gehäuse: belederte Pappe (von Agfa als âSperrpappeâ bezeichnet)
⢠Deckel vorn und hinten: zumeist beledertes Blech, selten lackiert
⢠Verkaufspreis: 4 RM (4 einzelne ReichsmarkstĂźcke mit den MĂźnzzeichen: âA.G.F.Aâ)
⢠Stßckzahl: ca. 900.000
Box 24
⢠Erscheinungsjahr: 1933
⢠Gehäuse: beledertes Stahlblech
⢠Deckel vorn und hinten: beledertes Blech
Box 34 âIsochrom-Boxâ
⢠Produktionszeit: 1933 bis 1935
⢠Gehäuse: beledertes Stahlblech
⢠Deckel vorn und hinten: beledertes Stahlblech
⢠Verkaufspreis: 7,50 RM
Box 84 âAugenbraue-Boxâ
⢠Erscheinungsjahr: 1936
⢠Gehäuse: belederte Pappe (von Agfa als âSperrpappeâ bezeichnet)
⢠Deckel vorn und hinten: beledertes Stahlblech / Zierfront
⢠Verkaufspreis: 5 RM
Box 14 âTrolix-Boxâ
⢠Produktionszeit: Sommer 1936 bis 9. Dezember 1941
⢠Gehäuse: Bakelit (Trolitan)
⢠Verkaufspreis: 9,50 RM
⢠Objektiv: f/11, 105 mm
⢠Stßckzahl: 105.100
Box 94 âBox B-2â
⢠Produktionszeit: 1937 bis 1938
⢠Gehäuse: belederte Pappe (von Agfa als âSperrpappeâ bezeichnet)
⢠Deckel vorn und hinten: Zierfront / beledertes Stahlblech
⢠Verkaufspreis: 5 RM
Box 04
⢠Erscheinungsjahr: 1937
⢠Gehäuse: belederte Pappe (von Agfa als âSperrpappeâ bezeichnet)
⢠Deckel vorn und hinten: Zierfront / beledertes Stahlblech
⢠Besonderheit: Zweiformat-Box fßr 4,5 à 6 und 6 à 9
Box 41 âCadet A-8â oder âBox A-8â
⢠Erscheinungsjahr: 1937
⢠Gehäuse: belederte Pappe (von Agfa als âSperrpappeâ bezeichnet)
⢠Deckel vorn und hinten: Zierfront / beledertes Stahlblech
⢠Besonderheit: einzige Agfa-Box fßr den Filmtyp A 8 (Kodak-Bezeichnung 127)
⢠Verkaufspreis: 4 RM
Box 45
⢠Erscheinungsjahr: 1938
⢠Gehäuse: kunststoffßberzogenes Stahlblech
⢠Deckel vorn und hinten: Zierfront / kunststoffßberzogenes Stahlblech
Nach 1945
Box 47 âMithra-Boxâ
⢠Erscheinungsjahr: 1947
⢠Besonderheit: Produktion Agfa-Schweiz
Box 50
⢠Produktionszeit: 20. Dezember 1950 bis 13. Juni 1951
⢠Gehäuse: kunststoffßberzogenes Stahlblech
⢠Deckel vorn und hinten: Zierfront / kunststoffßberzogenes Stahlblech
⢠Verkaufspreis: 9,90 DM
⢠Stßckzahl: ca. 599.000
Box 600 âSynchro-Boxâ
⢠Produktionszeit: März 1951 bis Mai 1957
⢠Gehäuse: kunststoffßberzogenes Stahlblech
⢠Deckel vorn und hinten: Zierfront / kunststoffßberzogenes Stahlblech
⢠Verkaufspreis: 14 DM
Box 620 âAgfa Clackâ
⢠Produktionszeit: 1954 bis 1965
⢠Gehäuse: schwarzer Kunststoff mit Blechmantel
⢠Belederung: Reptilienleder-Imitat
⢠Verkaufspreis: 19,50 DM
⢠Stßckzahl: ca. 1,65 Mio
Einzelnachweise
cite-note-11. â âLichtbilder-Arbeitsgemeinschaften fĂźr SchĂźler und SchĂźlerinnenâ â ErlaĂ des PreuĂischen Ministers fĂźr Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 9. Juli 1928, in: Zentralblatt fĂźr die gesamte Unterrichts-Verwaltung in PreuĂen, hrsg. im Ministerium fĂźr Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, H. 1/1928, S. 244 f. urn:nbn:de:0111-bbf-spo-7785449
cite-note-22. â Die Lichtbild-Arbeitsgemeinschaft. Ein Leitfaden fĂźr den photographischen Unterricht in Schulen, hrsg. Von der Kulturabteilung der I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft AGFA, Berlin 1929
cite-note-33. â âPraktische Betätigung der SchĂźler und SchĂźlerinnen auf dem Gebiet der Photographieâ â ErlaĂ des PreuĂischen Ministers fĂźr Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 22. Mai 1930, in: Zentralblatt fĂźr die gesamte Unterrichts-Verwaltung in PreuĂen, hrsg. im Ministerium fĂźr Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, H. 11/1930, S. 178 goobiweb.bbf.dipf.de
cite-note-44. â Die Lichtbild-Arbeitsgemeinschaft. Ein Leitfaden fĂźr den photographischen Unterricht in Schulen, hrsg. von der Kulturabteilung der I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft AGFA, Berlin 1929, S. 2
Literatur
⢠Heinz F. W. Mänz: Kinderleicht gehtâs mit der Agfa-Box (= Kleiner Fotokurs fĂźr Amateure. Heft 3). Umschau-Verlag, Frankfurt am Main 1951 (50 S.).
⢠Hans-Dieter GÜtz: Box Cameras Made in Germany. Wie die Deutschen fotografieren lernten. vfv Verlag fßr Foto, Film und Video, Gilching 2002, ISBN 3-88955-131-9.
⢠GĂźnther Kadlubek, Rudolf Hillebrand: AGFA â Geschichte eines deutschen Weltunternehmens von 1867 bis 1997. 2. Auflage, Verlag Rudolf Hillebrand, Neuss 1998, ISBN 3-89506-169-7.
Weblinks
Commons
: Agfa Box
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons
: Agfa Clack
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Beschreibungen aller Modelle
⢠Weitere Agfa Box Modelle
⢠Bild der Agfa Trolix Box